Barrierefreies Multimedia – Teil 3: Audiodeskription

Auschnitt der Website "amara.org" mit Ansicht des Online Videobearbeitungstools wie z. B. Keyboard Control Buttons und Video Player. Logo Audiodeskription.

Die Audiodeskription für einen Film zu verfassen bedeutet große Verantwortung. Ich möchte dem Autor gerecht werden und muss gleichzeitig entscheiden, welche der vielen visuellen Informationen in der kurzen Zeit zu vermitteln sind.

Das Verfassen der Audiodeskription

Da ich als Augen für eine andere Person agiere, stelle ich mir viele Fragen:

Ist es wichtig, welche Farbe die Kleidung des Mannes hat? Wäre einer anderen Person der Ehering ebenfalls aufgefallen? Ist das überhaupt ein Ehering?

Hinweise und Anleitungen im Internet zur Erstellung von Audiodeskriptionen wie zum Beispiel von Joe Clark sind eher generell gehalten, bieten aber erste Orientierung. Zusammengefasst sagt er, dass die Beschreibung möglichst sachlich und kurz sein soll. Es sollen dabei die Inhalte beschrieben werden, die zum Verständnis der Handlung und Atmosphäre notwendig sind. Außerdem setzt er den vorhandenen Ton vor etwaige Audiodeskriptionen.
Auf der Seite des World Wide Web Consortium wird von den Anforderungen an ein barrierefreies Video gesprochen, konkrete Hinweise gibt es aber nicht. Die Beschreibung soll lediglich die Barrierefreiheit erhöhen, objektiv sein und von einer Stimme gesprochen werden, die von der Handlung trennbar ist.
Da ich nach diesen Hinweisen immer noch nicht sicher war, wie genau eine gute Beschreibung aussieht, habe ich ein paar Hörfilme und Videos mit Audiodeskription angeschaut. Auf Hörfilm.info gibt es eine Sammlung von Online Mediatheken verschiedener Fernsehsender und On-Demand Dienste, über die viele Videos zu „hören“ sind. Ein Gefühl dafür, was beschrieben werden muss, verleiht auf die Schnelle dieser Youtube Kanal. Dort sind die Videos jeweils mit und ohne Beschreibung eingestellt.

Was soll eine Audiodeskription enthalten?

Das Buch Audiodeskription als partielle Translation von Bernd Benecke bietet dazu die genauesten Instruktionen. Diese werden im Folgenden zusammengefasst, für die kompletten Instruktionen sollte das Buch konsultiert werden.
So soll eine Audiodeskription folgende Fragen beantworten: Wo und wann findet das Geschehen statt? Was passiert? Und wer ist anwesend? In Bezug auf die Person soll nicht nur das Aussehen, sondern auch die Körpersprache beschrieben werden.

Farben sollen ebenfalls beschrieben werden, da viele Menschen erst im Laufe ihres Lebens erblinden und auch Geburtsblinde mit Farben bestimmte Stimmungen und Aussagen assoziieren. Geräusche sollen erklärt werden, da diese im modernen Film häufig schlecht identifizierbar sind und irritieren können. Geschriebener Text muss auch beschrieben werden, wobei keine eindeutige Position besteht, ob Text in der Originalsprache oder in der Sprache der restlichen Beschreibung dargestellt werden soll. Im Falle von Filmen mit Untertiteln (zum Beispiel nicht übersetzte fremdsprachige Filme) müssen diese laut Autor je nach Situation gekürzt werden, um Raum für die Audiodeskription zu schaffen.

Obwohl es im Einzelfall nicht vermeidbar ist, sollen folgende Dinge bei einer Audiodeskription unterlassen werden:
Die Beschreibung sollte nicht zu stark zusammenfassen, da ja jeder Film ansonsten in einigen Sätzen komplett zusammenfassbar wäre und das Filmerlebnis dabei verloren gehen würde. Ereignisse oder visuelle Elemente sollen auch nicht interpretiert oder bewertet werden, so dass das jedem Rezipienten selbst überlassen ist. Außerdem soll keine Information vorweggenommen werden, da dies die Spannung des Films mindert.

Sprachlich soll die Beschreibung möglichst einfach und kurz gestaltet und im Präsens gehalten werden. Wenn ein Gegenstand, ein Raum oder eine Person zum ersten Mal erwähnt wird, sollen indefinite (ein, eine) Artikel benutzt werden. Ab der zweiten Erwähnung definite (der, die, das). Ob der Name einer Person bereits verwendet werden soll, bevor er im Film genannt wird, ist uneindeutig.
Der Autor rät ebenfalls davon ab, Filmbegriffe wie „Abblende“ zu benutzen, sondern lieber zu beschreiben („das Bild wird schwarz“).
Im Idealfall sollen an der Verfassung drei Personen beteiligt sein: zwei sehende und eine blinde Person. Die beiden Sehenden können gemeinsam die wichtigsten Punkte ausarbeiten, die blinde Person gibt Orientierung, wieviel Information benötigt wird.

Die Audiodeskription zu Fathers Day

Die Audiodeskription habe ich mithilfe der kostenlosen Untertitelumgebung auf amara.org verfasst. Diese ist für Untertitel gedacht, bietet aber mit ihren Funktion alles, was ich für die Audiodeskription gebraucht habe. Dort kann man ein Video aus einer Internetquelle abspielen, durch die bequemen Tastenkürzel konnte ich das Video sehr präzise anhalten. Die sekundengenaue Zeitleiste zeigt gleichzeitig an, wie viel Zeit die Stimme später für jede Sequenz haben wird. So konnte ich bei jeder Szene parallel zum Gesehenen den Text sofort aufschreiben, ohne Fenster zu wechseln.
Um lediglich das zu beschreiben, was nicht schon hörbar ist, habe ich die erste Version verfasst, indem ich den Film ohne Ton angesehen habe. Ich habe alles notiert, was ich sehe. Im zweiten Durchgang mit Ton habe ich alles entfernt, was auch gesagt wird. Der nächste Schritt war das Timing auf die Sprechpausen. Schließlich habe ich die Beschreibung parallel zum Film Jan Hellbusch und dem Mitarbeiter Nils Hoffmann vorgesprochen. Das führte zu zahlreichen Diskussionen zu den Fragen vom Anfang des Beitrags:

Sind Informationen über Kleidung wichtig? Was wäre einem anderen Betrachter aufgefallen? Was wollte der Autor zeigen?

Einige der Fragen konnten direkt mit dem Autor des Films geklärt werden, andere erübrigten sich aufgrund der kurzen Zeit, die in den Sprechpausen zur Verfügung steht. Nach diesem Schritt wiederholte ich iterativ nochmal die vorigen Schritte.
Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, ich denke, es unterstützt dabei, den Film auch ohne das Bild mit zu verfolgen und zu verstehen. Trotzdem ist es schwierig auszuwählen, welche visuelle Information in den wenigen Sekunden übermittelt wird.
Während der Text im nächsten Schritt aufgenommen wird, werde ich mich über die Möglichkeiten eines Players in HTML5 oder Flash informieren.

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