Genderifizierung Auf Webseiten ist das Binnen-I für Sprachausgaben vorzuziehen

Collage aus einem Buch, einem Text, einem Lautsprecher und einer Tastatur

Zu der Genderifizierung in der deutschen Sprache mag man stehen, wie man will. Wenn „StudentInnen“ oder „Student/-innen“ auf eine Webseite auftauchen, dann kann über die Ausgabe in einer Sprachausgabe lange diskutiert werden. Letztens wurde ich gefragt, wie mit der Wildcard-Variante umzugehen sei, aber eine perfekte Lösung gibt es natürlich nicht.

Die Trennung mit *

Mir ist es vorher nicht aufgefallen, dass es in der Genderifizierung auch die Variante mit einer Wildcard gibt, z.B. „Student*in“. Eine solche Schreibweise soll nicht nur weibliche und männliche Personen einbeziehen, sondern auch alle anderen, die sich nicht allein durch diese Merkmale identifizieren. Ein Blick auf Wikipedia sagt mir, dass diese Schreibweise häufig verwendet wird. Aber vor allem sagt mir der Beitrag, dass das Thema auch nach 30 Jahren noch nicht zu Ende diskutiert ist.

Gendersprache in Sprachausgaben

Die Frage, wie die Genderifizierung mit einer Wildcard am besten aufzubereiten sei, stellte mir jemand im Rahmen eines Webseitenrelaunches, denn ein „Student*in“ wird in einer Sprachausgabe „Studentsternin“ vorgelesen. Da die Webseiten möglichst barrierefrei sein sollen, wurde nach einer machbaren Lösung gesucht.

Mit Blick auf Sprachausgaben gibt es eigentlich nur zwei Lösungen, die immer gut funktionieren:

  • Entweder wird auf Sonderschreibweisen verzichtet und die Personengruppe als „Studentinnen und Student“ oder als generisches Neutrum „Studierende“ ausgeschrieben
  • Oder das Binnen-I kann eingesetzt werden.

Wildcards und Sprachausgaben

Wenn es um die Ausgabe in einer Sprachausgabe geht, ist die Wildcard (oder auch der Gender Gab mit einem Unterstrich) eher zu vermeiden. Sollten solche Schreibweisen häufiger innerhalb eines Webauftritts vorkommen, dann kann das Sonderzeichen mit einem ARIA-Attribut ausgeblendet werden

Student<span aria-hidden=“true“>*</span>in

Die akustische Verunstaltung des Begriffs wird dadurch zwar vermieden, weil jetzt „Studentin“ als Text an den sogenannten Accessibility-Tree übertragen wird, aber der Begriff ist dann eindeutig feminin. Vielleicht muss die Wildcard mit dem Binnen-I kombiniert werden:

Student<span aria-hidden=“true“>*</span>In

Mit dieser Schreibweise wird das I akustisch betont und ein Nutzer eines Screenreaders erkennt die Bedeutung des Begriffs.
Das funktioniert auch mit

Student<abbr title=“I“>*i</abbr>n

oder

<abbr title=“StudentIn“>Student*in</abbr>

nur sind diese Schreibweisen eher ein Missbrauch des <abbr>-Elements; darüber hinaus darf der Screenreadernutzer die Auflösung von Abkürzungen nicht deaktiviert haben.

2 Gedanken zu “Genderifizierung – Auf Webseiten ist das Binnen-I für Sprachausgaben vorzuziehen

  1. Danike für die Beispiele und die Lösungen. Aus meiner Sicht wäre es die Aufgabe eines Screenreaders bzw. genauer einer Sprachausgabe, auf solche dinge sinnvoll und sprachspezifisch zu reagieren. Dann funktioniert die Aussprache auch in word & Co. Bei einer quelloffenen Sprachausgabe wie ESpeak lässt sich dies vermutlich recht einfach lösen, aber kommerzielle Sprachausgaben mögen evtl. nicht zeitnahe solche schreibweisen unterstützen. Kurz: Eine Lösung durch spezielle Attribute im Code einer Webseite sind vielleicht eine kurzfristige Lösung, aber eigentlich muss hier die Sprachausgabe ran.

  2. @Heiko
    Nein auf Unsinn kann man nicht sinnvoll reagieren. Es gibt wichtigere Dinge, die eine Sprachausgabe / ein Screen Reader können soll.
    Und dass Webworker auch noch den Code einer Website kaputt machen sollen wegen dieses Genderirrsinns …

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