Der Weg ist noch weit 3D-Modelle als Unterrichtsmaterial für blinde Schüler

3D - Schriftzug, 3D - Printer sowie Konstruktionszeichnung

Ein Inklusionsthema, das beim Unterricht von blinden Schülern besteht, ist die Erschließung von Abbildungen. Grafiken können beschrieben werden, aber einige Lehrer sind dazu übergegangen, mit 3D-Druckern zu arbeiten. Das tolle ist, sie teilen ihre Druckvorlagen auf einer Internetplattform und stellen sie unter einer Creative Commons Lizenz zur Verfügung.

An Schulen mit blinden Schülern entstehen jeden Tag Modelle jeder Art – von Skeletten bis Atom-Modellen. Diese entstehen vielleicht aufgrund des besonderen Engagements eines Lehrers und können selbstverständlich qualitativ sehr unterschiedlich sein. In der Regel handelt es sich um Unikate und – wenn der Lehrstoff behandelt wurde – dann verschwindet das Modell in der Abstellkammer auf Nimmerwiedersehen. Dass die investierte Arbeit deutlich verringert werden könnte, wenn Lehrer auf einen bestehenden Fundus zugreifen könnten, versteht sich von selbst. Gleichzeitig kämen die Schüler in den Genuß zusätzlicher Lernerlebnisse, wenn Lehrer für jede erdenkliche Situation ein 3D-Modell ausdrucken könnten.

Zunächst geht es aber um deutlich einfachere Sachen: Eine Abbildung in einem Buch kann haptisch erfahrbar ausgedruckt oder visuell funktionierende Aufgaben können zugänglich gemacht werden. Wenn in verschiedenen Schulen die gleichen Bücher genutzt werden, können Lehrer im Bedarfsfall auf die bereits geleistete Arbeit von Kollegen zurückgreifen und gegebenenfalls bestehende Vorlagen verbessern. Das alles geht mit dem 3D-Druck und der Austauschplattform 3D-Druck Augenbit.

Die Plattform steht erst am Anfang. Bislang stehen einige wichtige Video-Anleitungen sowie eine kleine Sammlung von Vorlagen zur Verfügung. Gedacht ist,

  • dass Lehrer, die ein 3D-Modell erstellt haben, eine Vorlage für Kollegen bereitstellen können,
  • dass Lehrer, die ein passendes 3D-Modell für einen blinden Schüler suchen, eine fertige Vorlage finden, und
  • dass Lehrer, die Anleitungen und weitere Unterstützung leisten können, sich bei dieser Initiative einbringen können.

Die bisher eingestellten Modelle können relativ gut mit einer Suche oder über Kategorien gefunden und mit einem Vorschaubild und einigen Anmerkungen angezeigt werden. Es ist auch möglich, die Modelle in ihrer Dreidimensionalität anzuschauen, allerdings muss dafür ein Plug-In
installiert werden – eine passende Video-Anleitung steht dafür auch bereit.

Blinde Schüler kommen bestimmt mit vielen Unwägbarkeiten klar – in einer sehenden Welt müssen sie das zwangsläufig. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass eine solche Plattform ausgebaut werden kann, wenn sie einmal eine kritische Masse erreicht hat, und sich nicht nur auf 3D-Modelle, sondern auf jegliche digitale Unterrichtsmaterialien ausdehnen lässt. Das können barrierefrei überarbeitete Dokumente, Audio-Inhalte, die von Lehrern erstellt wurden, oder gar barrierefreie Videospiele sein.

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