Doppel-6 für Tiptoi Noch ein Exemplar einer Software mit großen Problemen

Cartoon: Spielende Kinder im Kinderzimmer plus Schriftzug tiptoi

Vor Kurzem schrieb ich über die Desktop-Anwendung von Spotify und dass sie nicht barrierefrei sei. Gestern war ich wieder mit einer schwierigen Software konfrontiert, und das möchte ich zu Protokoll geben. Es handelt sich um die Desktop-Anwendung für Tiptoi, das von Ravensburger vermarktet wird.

Tiptoi ist ein interaktives Spiel, das mit einem Stift und verschiedenen Büchern und anderen Produkten ein akustisches Erlebnis schafft. Kinder können mit dem Stift auf verschiedene Bilder zeigen und der Stift spielt Audiosequenzen mit kurzen Informationen, Liedern zum Mitsingen oder Fragen für ein Fragespiel ab. Das Konzept und die Qualität der Inhalte finde ich gut und im letzten Jahr gab es für meine Tochter den Stift und ein Buch zum Geburtstag, was an Weihnachten mit einem weiteren Tiptoi-Produkt ergänzt wurde.

Nutzbarkeit des Tiptoi Managers

Der Stift muss mit Audio-Dateien bestückt werden, und dafür muss der Stift mit einem Rechner über USB verbunden werden. Außerdem muss der Tiptoi Manager heruntergeladen und installiert werden, um die Audio-Dateien aus dem Netz zu holen und auf den Stift zu übertragen. Diese Vorgehensweise ist akzeptabel, wenn die Software nicht so ein Problem wäre:

  • Zuerst müssen verhältnismäßig viele Daten zu Marketing-Zwecken eingegeben werden, bevor die Software gestartet werden darf.
  • Die Auswahl der Audio-Dateien zu einem Buch ist zunächst übersichtlich, aber wenn eine Sache bereits heruntergeladen wurde, und beispielsweise die Audio-Dateien für ein weiteres Buch heruntergeladen werden sollen, ist die Software sehr träge und braucht knapp eine Minute, um das Fenster zu aktualisieren. Es entsteht der Eindruck, dass die Software nicht mehr reagiert.
  • Und wenn ein weiterer Stift aktualisiert werden soll, muss man sich durchaus in die Software hineinversetzen, um dann die heruntergeladenen Audio-Dateien nachträglich mit einem Stift zu synchronisieren. Die nachträgliche Synchronisation befindet sich nämlich an einer anderen Stelle.

Screenshot der Software: Schritte 1 bis 3

Insgesamt verdient die Software in Sachen Usability eine 6. Sie bietet im Prinzip zwei Aufgaben (ein Satz von Audio-Daten herunterzuladen und die Audio-Daten mit dem Stift zu synchronisieren) und dafür sind ca. 10 Minuten zur Erledigung deutlich zu lang.

Das größte Problem, das die Software hat, ist aber die Accessibility. Mit dem Screenreader JAWS ist nichts aus der Software herauszubekommen. Zu anderen Aspekten wie Tastaturbedienung oder Bezeichnungen bin ich gestern, als ich ein drittes Produkt auf den Stift laden wollte, gar nicht mehr gekommen. Aber da die Software keinerlei Unterstützung für Screenreader bietet, ist sie auch unter dem Aspekt der Barrierefreiheit durchgefallen.

Nicht zumutbare Software

Die Lösung für mich ist dann eine organisatorische Sache: Es muss jemand die umständliche Bedienung für mich übernehmen. Jetzt konnte ich im Laufe einiger Monate drei Personen beobachten, wie sie mit der Software kämpfen. Ich meine, Ravensburger mutet seinen Kunden sehr viel zu.

Die Software ist auf einem technischen Level nicht ausgereift und die Nutzbarkeit wurde vernachlässigt. Dem grundlegenden Konzept des Spiels tut dies kein Abbruch – bei meiner Tochter ist es seit Monaten der Renner. Nur stehen modernes Spielkonzept und umständlich nutzbare Software im krassen Widerspruch.

Nachtrag: Zunächst wollte ich mich direkt an Ravensburger wenden, aber leider ist das Kontaktformular nicht zugänglich.

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