1Q84 Rezension des Dreiteilers von Haruki Murakami

Collage aus abgebildetem Mond und Schriftzug 1Q84 sowie Name des Autors Haruki Murakami in deutscher und japanischer Schrift.

Es gibt Bücher, die lange auf mich nachwirken. 1Q84 des japanischen Autors Haruki Murakami in der amerikanischen Übersetzung von Jay Rubin und Philip Gabriel ist ein solches Buch. Der Dreiteiler erzählt die Geschichte von zwei Personen, die in eine Fantasiewelt abdriften, aber das Buch ist gleichzeitig fesselnd wie ein Krimi.

1Q84 habe ich in der ungekürzten englischsprachigen Audio-Fassung gelesen. Die drei Sprecher sind Allison Hiroto, Marc Vietor und Mark Boyett.

Um es vorweg zu nehmen: 1Q84 hat keine Handlung, die es zu erzählen lohnt. Es gibt zunächst zwei Hauptfiguren, die in der Ich-Form erzählen. Masami Aomame ist die Auftragskillerin einer reichen alten Dame, die ein Frauenhaus betreibt und die gewalttätigen Männer der zufluchtssuchenden Frauen ermorden lässt. Während eines Auftrags merkt Aomame, dass sich ihre Wahrnehmung der Welt zu ändern beginnt und – da es das Jahr 1984 ist – wird das Jahr der neuen Welt zu 1Q84. Tengo Kawana ist ein mehr oder minder erfolgloser Schriftsteller, der seinen Lebensunterhalt als Mathelehrer bestreitet. Er erhält von einem Publizisten den Auftrag, eine fantastische Geschichte der 17-jährigen Fukaeri aufzupolieren, denn Fukaeri hat eine Lese-Rechtschreib-Schwäche. Es ist Fukaeri’s Fantasiegeschichte, die zunehmend Eingang in die reale Welt von Aomame und Tengo erhält und die beiden immer näher zueinander führt.

Die Geschichte selbst ist merkwürdig, aber der Autor ist ein wirklicher Künstler. Zwei der beeindruckenden Merkmale des Buchs sind:

  1. Nur die beiden Hauptfiguren sind während des gesamten Buchs konstant präsent. Andere Figuren verschwinden plötzlich oder tauchen unerwartet wieder auf. Einer der Nebenfiguren wird sogar im dritten Teil zum dritten Erzähler. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich das merkte, denn die eingesetzten Stilmittel, um die Figuren verschwinden und teilweise wieder erscheinen zu lassen sind sehr unterschiedlich.
  2. Aomame und Tengo erzählen in der Ich-Form. Dabei geht es viel um ihre jeweiligen Gedankenwelten. Sie erzählen ausführlich und ihre Sprecher sprechen erstaunlich langsam. Und dennoch liegt eine dauerhafte Spannung in der Luft, obwohl in der Handlung kaum etwas passiert.

Das Buch hat mich neugierig gemacht und ich werde weitere Veröffentlichungen von Haruki Murakami auf meinen Merkzettel setzen.

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