Geldscheine Wie Blinde die Euro-Banknoten erkennen

Die 10-, 20-, 50-, 100- und 200-Euro-Banknote liegen in Form eines Fächers.

Eigentlich dachte ich, dass ich die meisten Tipps für das Leben mit Blindheit kenne. Letztens überraschte mich jemand aber völlig als es darum ging, wie Euro-Banknoten rein haptisch unterschieden werden können.

Die unterschiedlichen Längen

Bislang habe ich die Euro-Banknoten anhand ihre Größe unterschieden. Ich versuche, in meinem Portemonnaie eine gewisse Ordnung zu halten, in dem ich die 5- und 10-Euronoten in einem Fach und die 20-, 50- und 100-Euronoten in einem anderen Fach reinstecke. Solange verschiedene Stückelungen vorhanden sind, ist deren Unterscheidung unproblematisch.

Etwas schwieriger wird die Bestimmung des Werts, wenn ich nur eine Banknote in der Hand habe. Hierzu gibt es den Fingertest. Anhand der Länge eines Scheins sind sie gut unterscheidbar, wenn sie über einen Finger gelegt werden. Ich messe die Länge mit meinem Mittelfinger, d.h. wenn ich einen 50-Euro-Schein zwischen Mittel- und Ringfinger stecke und über den Mittelfinger lege, so reicht der Schein bis unten zwischen Zeige- und Mittelfinger. Je kleiner der Wert, desto weniger reichen sie über den Mittelfinger und der 5-Euro-Schein reicht gerade mal 2-3 Zentimeter rüber.

Den gleichen Zweck erfüllt ein sogenannter Cash-Test aus Plastik. Darüber hinaus gibt es Apps für Android und iOS.

Die Unterscheidung der Banknoten durch Sehbehinderte wurde auch berücksichtigt. Neben der Größe der Banknote sind die vorherrschenden Farben auf den verschiedenen Stückelungen unterschiedlich. Außerdem sind die Notenwerte auf jeder Seite in relativ großen Zahlen aufgedruckt.

Die nicht vorhandenen Features

Die Frage, wie Blinde Banknoten unterscheiden können, wird mir verhältnismäßig oft gestellt. Dabei werde ich gerne auf die Braille-Schrift hingewiesen, die auf den Geldscheinen angeblich zu finden sei. Wer eine Euro-Banknote in die Hand nimmt, wird mit Sicherheit keine Braille-Schrift finden. Es gibt keine haptischen Merkmale, die nur ansatzweise diese Vermutung nahe legen.

Zu Zeiten der Deutschen Mark gab es auf den Scheinen (BBK III) einige Punkte und Striche, die den Wert der Banknote kennzeichneten. Wozu diese Markierungen genau gedient haben, habe ich nie herausgefunden. Es wird manchmal behauptet, die Markierung sei eine abgewandelte Form der Blindenschrift.

Collage von D-Mark-Scheinen der Werte 5 bis 200, wobei nur der Wert und die Punkte und Striche erkennbar sind.

Obwohl die dunklen Striche und Punkte tatsächlich fühlbar waren, waren sie nicht erhaben genug, um den Wert des Scheins eindeutig zu bestimmen. Ich konnte die Scheine damals daran nicht unterscheiden und kannte auch keinen, der es konnte. Für Sehbehinderte waren sie allerdings sehr gut erkennbar.

Auch die angeblich fühlbaren Reliefs der groß abgedruckten Nominale auf den Euroscheinen sind keine besondere Hilfe. Es ist zwar eine minimale Erhebung feststellbar, aber ich kenne keinen, der auf dieser Weise den Wert eines Geldscheins ermitteln kann.

Das zweite haptische Feature

Bei den Euroscheinen der ersten Generation war die Größe das einzige haptische Unterscheidungsmerkmal. Bei den Euronoten der zweiten Generation gibt es ein zweites Merkmal, das mir bislang nicht aufgefallen ist.

Auf den 5-, 10- und 20-Euronoten, die seit 2013 sukzessive in den Umlauf gekommen sind, befindet sich eine Riffelung auf der kurzen Seite des Scheins. Auf den 5-Euroscheinen ist die Riffelung durchgängig, auf den 10-Euroscheinen ist die Riffelung einmal mit einer glatten Fläche unterbrochen und auf den 20-Euroscheinen ist die Riffelung zweimal unterbrochen.

Die Seitenränder der 5-, 10- und 20-Euronoten mit eingezeichneten Pfeile, die die Unterbrechungen markieren.

Auf neueren, nicht abgegriffenen Banknoten sind die Scheine tatsächlich relativ gut unterscheidbar. Je abgegriffener die Banknoten sind, desto weniger erkennbar ist die Riffelung. Dass ich den Unterschied der Riffelung bislang nicht bemerkt habe, sagt aber auch was aus.

Münzen

Die Euromünzen sind seit der Einführung in 2002 unterscheidbar, weil die Münzränder gut fühlbare Riffelungen aufweisen:

  • Die 2-Euro-Münze hat eine durchgängige feine Riffelung.
  • Die 1-Euro-Münze hat ebenfalls eine feine Riffelung, die aber durch glatte Flächen unterbrochen wird.
  • Die 50-Cent-Münze hat eine grobe Riffelung.
  • Die 20-Cent-Münze hat Einkerbungen in größeren Abständen.
  • Die 10-Cent-Münze hat eine grobe Riffelung, ist aber deutlich kleiner als die 50-Cent-Münze.
  • Die 5-Cent-Münze hat einen glatten Rand.
  • Die 2-Cent-Münze hat einen glatten Rand mit einer Rille.
  • Die 1-Cent-Münze hat einen glatten Rand, ist aber deutlich kleiner als die 5-Cent-Münze.

3 Gedanken zu “Geldscheine – Wie Blinde die Euro-Banknoten erkennen

  1. Gibt es ein Gerät, mit dem sich die Geldscheine mittels akustischer Signale oder ähnlichem erkennen lassen?
    Wie sehen es aus, wie wird es bedient u. wie teuer teuer ist es?

    1. Ich habe über Apps gelesen. Mit dem SmartPhone kann die Kamera auf ein Schein gerichtet werden und die Sprachausgabe sagt den Wert an. Hier müsste man sich bei einem Hilfsmittelanbieter genauer informieren.

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